Hühnermobil

Eier von naturnah lebenden Hühnern schmecken einfach besser!

Weil das so ist, habe ich mir im Jahre 2016 wieder Hühner angeschafft und möchte ihnen gerne einen ständig frischen, mit Gras bewachsenen Auslauf bieten. Nur so haben sie Gelegenheit, den ganzen Tag nach Fressbarem zu scharren, setzen sie nicht so viel Fett an und werden hoffentlich auch nicht zu den gefürcheteten Federfressern. Wussten Sie, dass jedes Huhn am Tag ca. 10.000 Pickbewegungen macht? Und die Scharrbewegungen? Die ersparen Ihnen garantiert das mühsame Vertikutieren.

Realisieren lässt sich das allerdings nur mit einem Hühnermobil, das seinen Standort beliebig wechseln kann. Besitzer von mehreren hundert oder tausenden von Hühnern haben solche mobilen Ställe auf ihren großen Wiesen stehen und geben den Hühnern an wechselnden Stellen Auslauf.

Aus einem kleinen einachsigen Anhänger, den uns unser alter Nachbar Jürgen Hahn geschenkt hat und aus vielen, vielen Brettern, die er sozusagen obendrauf packte, habe ich über einige Wochen selbst ein kleines Hühnermobil gebaut. Wir ändern seinen Standort in unserem großen Garten mindestens einmal in der Woche und haben in unserer Urlaubszeit das fahrbare Häuschen auch schon bei Freunden abgestellt. Die „ernten“ dann in dieser Zeit die Eier.

Wie geht man nun beim Bau des Hühnermobils vor? Nun, es gibt eine Reihe von Büchern, von denen ich die preiswerte „Illustrierte HÜHNER-ENZYKLOPÄDIE“ von Esther Verhoef und Aad Rijs empfehlen würde. Im Internet sind noch weitere Tipps für den Bau zu finden. Letzlich setzt jedoch der verfügbare Anhänger den Rahmen für den Auf- und Ausbau. Er muss eine Mindestgröße besitzen, die nicht unterschritten werden kann. Eine TÜV-Abnahme ist überflüssig, aber ein durchgerosteter Rahmen ist wohl auch nicht die richtige Basis. Mein Anhänger bietet eine Stallgrundfläche von etwa 90 x 140 cm und liegt damit an der unteren Grenze dessen, was sinnvoll verwendbar ist. Ausreichend tragfähig muss er natürlich auch sein, denn selbst ein Aufbau aus trockenem Fichte-Profilholz führt mit dem Korpus, dem Dach und der diversen Einbauten zu einem nicht zu vernachlässigenden Leergewicht. Schließlich kommt es ganz entscheidend darauf an, wie viele Hühner man unterbringen möchte, ob eine Sitzstange erforderlich ist oder mehrere, eines oder mehrere Nester gebraucht werden. Vielleicht wollen Sie ja auch noch Ihren Futtervorrat für die Hühner im Hühnermobil selbst unterbringen.

Dann geht es ans Werk. Am besten, Sie verwenden so weit wie möglich gebrauchte Teile, denn wenn Sie alle Materialien kaufen müssen haben Sie ganz schnell ein teures Hobby. Außer der Dacheindeckung, zwei Kotflügeln und ein paar Scharnieren musste ich nichts kaufen. Trotzdem werden meine Eier teurer sein als die, die man im Laden kauft – aber sie schmecken auch besser!

Ob Sie den Aufbau Ihres Anhängers abwracken oder ihn weiterverwenden wollen, müssen Sie entscheiden. Wichtig ist, dass sie das Fahrgestell falls nötig entrosten, dann gegen Rost schützen und dass in das Innere des Aufbaus kein Wasser eindringen kann.

Als Werkzeug brauchen Sie vor allem eine Stichsäge oder ähnliches, eine Bohrmaschine und einen möglichst kompakten Akkuschrauber. Schrauben, Holzleim etc. werden die meisten in ihren Kellerregalen finden.

Anhand der folgenden Bilder möchte ich Ihnen den Aufbau so gut wie möglich erklären:

Süd- und Ostseite des Hühnermobils
Süd- und Ostseite des Hühnermobils

Das Hühnermobil braucht im Innern ausreichend Licht. Deshalb wird es so aufgestellt, dass die eingebaute Fensterscheibe nach Osten zeigt. Das Dach wird dagegen nach Westen geneigt um dem Wetter stand zu halten. Die Tür richtet sich nach Norden, die Eierablage ist im Süden.

Fenster von innen
Fenster von innen

Das Fenster besteht aus Plexiglas und geht über die gesamte Länge des Stalles.

Hühnerklappe
Hühnerklappe

Die in die Tür eingebaute Hühner- bzw. Auslaufklappe gibt über einen Seilzug den Weg in den davor aufgestellten Auslauf frei. Sie läuft in der Nut der Profilbretter und besteht aus zwei dünnen, in der Mitte mit einer Metallleiste und Blindnieten fixierten Kunststofftafeln. Die nicht ganz hineingedrehte Holzschraube in der Mitte des rechten Bildrandes bildet die Aushubbegrenzung der Hühnerklappe, so dass diese nicht nach oben herausrutschen oder sich verklemmen kann.
Jeden Abend ist nach Einbruch der Dunkelheit die Klappe so bald wie möglich zu schließen.
Sollten Sie mal ein Huhn besitzen, das nachts nicht auf der Stange sitzen möchte, sondern partout im Nest ruhen will, so können Sie im Innern des Hühnermobils auch noch eine Nestklappe nach dem Muster der Auslaufklappe einbauen, die dafür sorgt, dass das Nest abends bzw. nachts nicht zugänglich ist und somit nicht verkotet werden kann. Diese Klappe muss nicht dem Angriff von kleinen Räubern widerstehen und kann deshalb leichter gebaut sein. Ein einfaches Blech, das in einer Nut läuft, tut es durchaus. Diese Nestklappe schließen Sie also schon nachmittags (da legen Hühner keine Eier) und öffnen Sie abends nach Einbruch der Dunkelheit. Am nächsten Morgen, in aller Frühe, können die Hühner somit das Nest ungehindert aufsuchen und ihre Eier legen.

Lüftung und Seilzugführung
Lüftung und Seilzugführung

Im oberen Teil der Tür befindet sich ein kleiner Auslass mit einem einfachen engen Drahtgitter als Lüftung für den Stall. Das Gitter ist mit kleinen Krampen befestigt. Außerdem ist hier die Seilzugführung für die Auslaufklappe erkennbar.

Stallboden, Nesteingang, Kotbrett und Sitzstange
Stallboden, Nesteingang, Kotbrett und Sitzstange

In die vier Ecken des Anhängers wurden keine Kanthölzer, sondern winklig verleimte bzw. verschraubte Bretter gestellt. Der Stallboden besteht aus zwei Zentimeter dicken, herausnehmbaren Brettern und geht vorne über die eigentliche Ladefläche des Anhängers hinaus. Hier noch nicht zu sehen ist die vor dem Einzug der Tiere auf dem Boden verlegte Teichfolie, die an den Rändern ca. 5 cm hochgezogen und fixiert wurde. Der Eingang für die beiden nebeneinander liegenden Nester befindet sich ca. 40 cm über dem Stallboden. Etwa genauso hoch ist das Kotbrett mit der darauf liegenden Teichfolie, dem Gitter und der ca. 20 cm höher gelegenen Sitzstange, die nicht rund sein darf. Die Stange ist an ihren Enden mit leicht abnehmbaren Schrauben in der Auflage fixiert. Pro Huhn müssen Sie mindestens 30 bis 40 cm Sitzbreite rechnen und die Stange soll mindestens 30 cm vor der Wand liegen.

Dachkonstruktion
Dachkonstruktion

Auf die Oberkante der Seitenwände sind jeweils Alu-Vierkantleisten gelegt, damit sich das Gewicht des Daches besser abträgt. Vor den Vierkantleisten liegen die Längsträger des Daches, auf die Profilbretter aufgeschraubt wurden. Auf diesen ruhen längs Dachlatten, dann wurden quer dazu starke Latten aufgeschraubt, die die Dacheindeckung aus Pofilblech tragen.

Geöffnete Eierentnahme
Geöffnete Eierentnahme
Geschlossene Eierentnahmeklappe
Geschlossene Eierentnahmeklappe

Auf der Westseite befindet sich etwas über den Nestern angeordnet die Eierentnahmeklappe. Im geöffneten Zustand ist ein hochkant gestelltes Brett erkennbar, das die beiden Nester trennt.

Dachfläche
Dachfläche

Die Dachendeckung ist nussbaumfarben. Sie fällt deshalb nur sehr wenig in der Landschaft auf. Achten Sie darauf, dass das Dach einen ausreichenden Überstand hat. Er schützt nicht nur das Hühnermobil selbst, sondern bildet auch einen kleinen Regenschutz für die Hühner. Die Räder bzw. Reifen des Hühnermobils werden durch breite Kunststoff-Kotflügel vor Sonneneinstrahlung und Nässe geschützt.

Kunststoffprofil
Kunststoffprofil
Befestigung
Befestigung

Am unteren rechten Rand des Daches können Sie ein von einem alten Fenster stammendes weißes Kunststoffprofil erkennen, das – vorher entsprechend abgerundet und etwas überstehend – beim Vorübergehen vor Schnittwunden schützt! Es wurde mit zwei Schrauben unter der Dacheindeckung befestigt. Alternativ können Sie auch die Kunststoffleisten einer alten Wäschespinne verwenden, die sich hierfür sehr gut eignen.